„Wir bleiben im Chancenmodus“
Die wie in einem antiken Theater ansteigenden Sitzplätze in der Oldenburger EWE-Arena waren nahezu alle besetzt. Die rund 500 anwesenden Aktionärinnen und Aktionäre sowie Gäste hatten damit beste Sicht auf das vom Aufsichtsrat, Vorstand und Beirat besetzte Podium vor ihnen. Hier legten auf der Hauptversammlung der AGRAVIS Raiffeisen AG Versammlungsleiter Franz-Josef Holstenkamp in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender und der Vorstand, angeführt von dessen Vorsitzenden Dr. Dirk Köckler, ihre Berichte zum Geschäftsjahr 2025 sowie zur Entwicklung in den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres 2026 vor.
Von antikem Drama jedoch keine Spur: „Einmal mehr hat sich die Konzern-Strategie als richtig erwiesen“, brachte es Holstenkamp auf den Punkt. Dem folgten auch die anwesenden Aktionäre, die stolze 84,58 Prozent des Grundkapitals repräsentierten: Jeweils einstimmig wurden Vorstand und Aufsichtsrat entlastet. Auch die Satzungsänderung mit der Verkleinerung des Aufsichtsrats von 20 auf 16 Mitgliedern sowie die Wahlen zum Aufsichtsrat und Beirat wurden einstimmig beschlossen.
Freuen können sich die rund 6.000 Aktionärinnen und Aktionäre: Angesichts eines gestiegenen Konzernergebnisses vor Steuern zahlt AGRAVIS in diesem Jahr eine Dividende von 1,79 Euro pro Aktie. Bezogen auf den rechnerischen Wert der Aktie von 25,60 Euro entspricht dies einer Dividendenrendite von 7 Prozent nach 6 Prozent im Jahr zuvor
„Stabilität bedeutet für uns keinen Stillstand, sondern die Fähigkeit, uns verantwortungsvoll weiterzuentwickeln“, betonte Vorstandsvorsitzender Dr. Dirk Köckler. Grundlage der strategischen Ausrichtung seien Marktverständnis, ein kundenorientiertes Handeln, operative Exzellenz und eine wertebasierte, genossenschaftliche Unternehmenskultur. „Wir wirtschaften mit Weitblick, generationenübergreifend und mit Verantwortung – für unsere Eigentümerinnen und Eigentümer, für die Landwirtschaft und für die Menschen in den Regionen, in denen wir arbeiten“, so Dr. Köckler weiter.
In einem von Strukturwandel, geopolitischen Unsicherheiten und hohen Transformationsanforderungen geprägten Marktumfeld setzt die AGRAVIS Raiffeisen AG auch in Zukunft auf ein wirtschaftlich solides Fundament, klare Prioritäten im Kerngeschäft und gezielte Zukunftsinvestitionen. Der Konzern richtet seine Strategie dabei konsequent auf langfristige Stabilität und verantwortungsvolles Wachstum aus.
Die AGRAVIS will daher ihr Kerngeschäft in den Sparten Agrar Großhandel, Agrar Landwirtschaft, Technik, Märkte und Energie weiter stärken – auch durch gezielte Investitionen in Digitalisierung und Infrastruktur. Köckler nannte in diesem Zusammenhang ein Investitionsvolumen von 300 Mio. Euro für die nächsten drei Jahre.
Um zusätzliche Wachstumspotenziale zu heben, schaut die AGRAVIS inzwischen aber auch über ihr angestammtes Arbeitsgebiet hinaus nach Süddeutschland. Hier bietet sich das Unternehmen als Großhandelspartner für die dort tätigen regionalen Raiffeisen-Genossenschaften an. „Wir stehen für gemeinsames Wachstum und Weiterentwicklung – über Generationen. Wir gestalten genossenschaftliche Zukunft gemeinsam, denn wir respektieren die wirtschaftliche Eigenständigkeit der Genossenschaft vor Ort“, unterstrich Dr. Köckler nochmals nachdrücklich, dass nicht daran gedacht sei, in das Direktgeschäft mit der Landwirtschaft einzutreten.
Fortsetzen wird die AGRAVIS ihren strategischen Energieumbau. Ziel ist es, möglichst 80 Prozent des benötigten Stroms selbst zu erzeugen. Auch der weitere Rollout der einheitlichen Warenwirtschaft bleibe ein zentraler Punkt auf der strategischen To-do-Liste. Strategisch neu will die AGRAVIS ihr Raiffeisen-Markt-Geschäft. So sollen Waren- und Konzeptkompetenz in einer integrierten Systemzentrale zusammengeführt, Außendienststrukturen gebündelt und Aufgaben im Innendienst zentralisiert werden.
Der AGRAVIS-Konzern geht nach den ersten vier Monaten des Geschäftsjahres 2026 davon aus, dass er bei Umsatz und Ergebnis die selbst gesteckten Ziele für 2026 erreichen kann. Geplant wird mit einem Jahresumsatz von 8,1 Milliarden Euro und einer Bestätigung des Ergebnisses vor Steuern von 70,2 Mio. Euro. „Aktuell liegen wir mit einem Umsatz von 2,7 Milliarden Euro und einem Ergebnis von Steuern von 13,4 Millionen Euro im Korridor unserer Erwartungen“, berichtete der Vorstandsvorsitzende. Köckler: „Wir bleiben im Chancenmodus.“
